Panik bei Thiam-Friends vor CS-Entscheidung – Inside Paradeplatz

Tidjane Thiam hat die Credit Suisse ins
Elend geführt. Wer auch immer Thiams Leistung in 4,5 Jahren
CS-Führung rühmt: Wenn eine Firma derart bebt, hat ihre Spitze
versagt.

Überall wäre Thiam längst Geschichte. Nicht so bei der Nummer 2 des Finanzplatzes, einer Too Big To Fail-Bank, die wir Bürger im Notfall retten müssen.

Wie das geht, sieht man in diesen
Tagen, in denen sich das Schicksal der CS entscheidet. Drei
Aktionäre, die zusammen über 10 Prozent der Bank besitzen, fordern
ultimativ Thiams Verbleib.

Sonst, so einer von ihnen, hagelts
Klagen.

So etwas hat die Schweiz selten erlebt.
Beim Fight um die Sika kämpften VR und Management geschlossen gegen
den Angreifer aus Frankreich.

Bei der CS geht die Front quer durch die Spitze. VR gegen Konzernleitung, Präsident gegen CEO.

Bürgerkrieg am Paradeplatz.

Die meisten Medien tippen auf Thiam als
Sieger. In einem unglaublich anmutenden Foto inszenierte sich Thiam
als Chef, der von seiner ganzen Führungscrew auf Händen getragen
würde.

Ein Leader, ein Freund, ein
charismatischer Kommandant, für den die Truppe sich noch so gerne
aufopfert.

Alle für einen, einer für alle. Uns kann nichts trennen. Brothers in arms.

We love you. And us. And TT (Instagram)

So die Botschaft, die Thiam mit dem Foto aussandte, das er auf Instagram publizierte und das laut einer CS-Quelle diese Woche rund um eine Sitzung der Konzernleitung entstand.

Warum ist das unglaublich? Die Leute rund um Thiam verdienen alle Millionen – im Jahr. Sie haben Macht, müssen Persönlichkeiten sein, Vorbilder für ihre Teams und Mitarbeiter.

Hier spielen sie Globis. Sie alle wissen, dass Thiam sich in Szene setzen will mit dem Bild. Damit er gutmütig wirkt und nicht wie ein Spy-Master.

Alle machen brav mit, tanzen nach Thiams Pfeife. Statt auszuscheren, lächeln sie wie exaltierte Teenies in dieser einzigartigen Farce.

Anhimmeln und Scharwenzeln statt Rückgrat zeigen. So die obersten operativen Köpfe der CS. Sie geben sich her für Thiams Ego-Show, damit sie weiter im Amt bleiben und viel Geld kassieren dürfen.

Swiss Banking, next level.

Für Präsident Urs Rohner und seinen wichtigsten Verbündeten im Verwaltungsrat, Roche-Chef Severin Schwan, heisst das, dass die Zwei einen noch schwereren Stand haben.

Hier die versammelte Geschäftsleitung, die Ober-Boss Thiam scheinbar die Stange hält. Darüber drei angelsächsisch getriebene Aktionäre, die ihre Masken fallenlassen und sagen: Passt auf, Burschen. We’ll sue you.

Thiam ist unglaublich kampferprobt. Er
hat im 2010 bereits eine Schlacht gegen seinen Präsidenten gewonnen:
bei seiner Ex-Firma, der englischen Versicherung Prudential.

Damals hatte Thiam dem Regulator hoch
und heilig versichert, dass er keine Übernahme des Asien-Ablegers
des US-Versicherers AIG plane.

Kurz darauf zeigte sich, dass er genau dies vorgehabt hatte. Die Aufsicht bestrafte darauf die Prudential mit 30 Millionen Pfund. Eine enorm hohe Busse. Sie ging direkt aufs Konto des CEOs.

Normalerweise das Aus. Doch Thiam überlebte, er blieb CEO der Prudential. Wie war das möglich? With a little help von meinen reichen, mächtigen Investoren-Freunden.

„There is some momentum behind a move to oust Prudential Chief Executive Tidjane Thiam, but some large shareholders said Chairman Harvey McGrath’s position is even harder to defend than his CEO’s“, schrieb Reuters im Juni 2010.

„If
someone has to go, it should be the chairman and not the chief
executive,” said one top-20 investor, speaking on condition of
anonymity.“

Fast
forward: 10 Jahre später die genau gleiche Krise, diesmal bei der
Credit Suisse, dieser einst stolzen Schweizer Finanzgrösse, die
schon lange von ausländischen Kräften gesteuert wird.

Wo
Thiam auftaucht, ist Ärger programmiert. Bei der Prudential konnte
Thiam weitere Jahre bleiben. Dann gelang ihm der Sprung an die
CS-Spitze, wohl mit Hilfe eines Manns namens Kai
Nargolwala.

Der sitzt sowohl bei der Prudential als auch bei der Schweizer Bank im Aufsichtsgremium. Nargolwala war einst best verdienendes CS-Konzernleitungs-Mitglied, er erhielt in einem einzigen Jahr über 20 Millionen. 2008, als die Welt zusammenkrachte.

Nargolwala wechselte darauf in den VR der CS. Als Board-Mitglied sowohl bei der CS als auch bei der Prudential könnte er es gewesen sein, der Thiam Präsident Rohner in die Hütte gesetzt hat.

Verwaltungsrats-Mitglied Nargolwala soll jedenfalls viel Gewicht im höchsten Gremium der Bank haben. Dieses entscheidet an seiner Sitzung von heute über Thiam.

Bleibt
der CEO, oder muss er gehen?

Präsident Rohner und Severin Schwan, der sogenannte Lead Independent Chairman: Sie wollen Thiam von seinem Posten entfernen. Davon ist zumindest auszugehen.

Kai Nargolwala dürfte Thiam hingegen retten wollen.

Das heisst: Leute wie die Harvard-Professorin und einstige Absolventin an der Uni Zürich, Iris Bohnet, die nicht zu den starken Figuren im VR zählen, müssen heute erstmals in Ihrem Berufsleben richtig Farbe bekennen.

Für Rohner ist es der Tag einer ganzen Karriere. Thiam tanzt dem Schweizer, seinem Vorgesetzten, seit Monaten auf der Nase herum. Im Wissen, dass er mächtige Investoren auf seiner Seite hat.

Rohner liess das zu. Nun muss der Präsident zeigen, dass er – und nicht der höchste Angestellte – der ultimative Verwalter des Erbes der vormals grossen Credit Suisse ist.

Nur wenn Rohner Thiam, 55, vom Hof jagt, nimmt der 60jährige seine Verantwortung wahr. Lässt er den unkontrollierbaren und aufständischen CEO auf dem Posten, ist klar, wer das Sagen hat.

Der Manager, der eigentlich Unterstellte.

Crunchtime für Rohner. Bereitet er dem untragbaren Treiben ein Ende, hat er seinen Job erfüllt. Dann kann er gehen, weil er aufgrund seines Amts am Ende des Tages die letzte Verantwortung für alles trägt.

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